1 Mal Schwimmen bitte!

„Indoor Sommerabenteuer, Klappe: die erste!‘

Den ganzen Tag über war ich alles Gefühlsmögliche mindestens ein Mal, was es an Gefühl im Menschsein so gibt, übermütig, unsicher, ängstlich vermeidend, aufgedreht, antriebslos usw. Ich habe mich im Bett versteckt und war nicht in der Lage etwas sinnvolles zu tun, so sehr hat mich der Termin „Montag, 18 – 19 Uhr Schwimmen“ im Warmwasserbad beeindruckt. Ich fand mich selbst bescheuert deswegen, denn immerhin war ich es doch selbst, die noch vor einigen Wochen dieses Bad auf „Mitmachtauglichkeit“ hin als Besucherin von außen geprüft hat.

Überglücklich hatte ich jedem davon berichtet, dass das Bad für mich machbar ist, begeistert war ich von mir selbst „schwimmen“ endlich wieder in Betracht ziehen zu können. Es gab nichts anderes außer Vorfreude, Motivation und Zutrauen an den Tagen davor. Und dann war eben dieser Montag und alles war, nur nicht Zutrauen und innere Ruhe!

Ich versuchte mir ins Gedächtnis zu rufen, wie ich zu besseren Zeiten im Schwimmbad war, doch jeder Vergleich damit verstärkte nur die Unsicherheit. Wie wird das ins Wasser hineinkommen, wie gelingt das im Wasser bleiben, wie komme ich wieder raus? Diese ungewissen Fragen machten mich fast wahnsinnig, denn ich bin gern vorbereitet, ich bin sicherer, wenn ich in etwa weiß, wie was abläuft und was ich selbst tun kann, um alles weniger kompliziert zu machen.

Wir einigten uns auf „heute unternehmen wir den ersten (von vielen weiteren) Versuchen, wir machen sozusagen die praktische Probe auf die theoretische Planung“ und diese Übereinkunft hat es, was die Aufregung anging, etwas besser gemacht. Wir waren also zu dritt, die Schwester, der Freund und ich. Schwimmen mit zwei Helfern anzugehen ist eine sehr gute Sache, das haben schon andere Versuche mit mir im Schwimmbad gezeigt.

Ich habe bereits Schwimmkleidung an, jetzt noch die Schwimmflügel rechts und links und flink auf den Duschrolli, hinein in die Schwimmhalle zum Beckenrand, von dort ins Wasser, beziehungsweise in die Arme des Helfers. Ich bin mir nicht sicher, wie ich das geschafft habe aber plötzlich bin ich im Wasser, ebenso wenig bekomme ich mit wie die Pool noodle unter meine Beine und unter den Oberkörper geschoben werden, denn ich lache und kann gar nicht mehr damit aufhören.

Das Wasser ist schön warm und hellblau, manchmal türkis oder mintgrün, die seitlich hereinscheinende Sonne lässt ihre Strahlen auf der Wasseroberfläche tanzen, das beobachte ich eine Weile, während ich wie beim Babyschwimmen durchs Wasser getragen oder geschoben werde. Ich bin glücklich und in hohem Maße zufrieden. Die anderen Schwimmer vergnügen sich mit Planschen und Ballspielen oder sind müßig.

Ich merke wie anstrengend das im Wasser sein trotz all der auftriebgebenden Hilfen ist und halte mich zum verschnaufen am Beckenrand fest. Helferwechsel. Nun begleitet meine Schwester mich durch das Wasser und wir kreuzen mit den anderen Schwimmern im Bad. Die Stimmung ist wirklich gut, ich habe zu keiner Zeit Angst oder Beklemmungsgefühle. Für den ersten Versuch läuft es sogar besser als gehofft. Ich bewege meine Arme rudernd mit und zeige die Richtung an in die wir uns bewegen wollen. Meine Schwester folgt diesen Zeichen.

Wir versuchen es mit einem mit Luft gefüllten Ball, den uns zweien bzw. dreien zuzuwerfen gelingt jedoch nicht besonders gut und ich akzeptiere das für den Moment. Ich bin schon eine halbe Stunde im Wasser, mein persönlicher Rekord! und ich merke wie ich jetzt raus muss, um nicht vollständig alle Kraftreserven aufzubrauchen. Denn auch das „aus dem Wasser kommen“ wird ein Abenteuer.

Ein Lift mit Sitzschale kennen wir dafür schon, hier ist es ein Deckenlift mit Tragetuch, und das ist neu. Zum Glück kann ich zuschauen, wie die andere Rollstuhlfahrerin das mit ihren Helfern nutzt und kann den Ablauf gedanklich mitmachen. Der Eindruck bleibt hängen, dass es wie ein setzen in eine Korbschaukel ist, das kann ich auch, das kenne ich. Meine Helfer packen mich in das Tragetuch, entfernen die Auftriebhilfen und jemand drückt den Zugknopf, da hebt es mich schon aus dem Wasser und hinein in den Duschrolli. Geschafft! Abenteuerlich aber geschafft.

Der Vorteil eines Tragetuchs gegenüber der Sitzschale ist das sicherere Sitzen im Tuch, wohingegen die Sitzschale flutschig ist und ich gleich mit. Im Duschrolli werde ich zur Dusche und zu den Liegen der Umkleide gefahren.

Ich bin ziemlich fertig aber auch sehr zufrieden und stolz auf mich selbst. Diese viele Aufregung hätte gar nicht sein müssen, aber das weiß ich natürlich immer erst hinterher! Wiederholen des „schwimmen gehens“ garantiert! Abenteuerniveau für mich: 5 von 5 Sternen! Meinen beiden wunderbaren Helfern hat es ebenso gut gefallen sagten sie. Danke schön an euch beide! Ihr habt es mir ermöglicht, unbeschwert im Wasser zu sein und diese Zeit als Geschenk zu erleben.

Ein Kommentar

  1. Janni sagt:

    Vielen Dank für das großartige Bild und die Sprache. Deine Beschreibung der Umgebung, Eindrücke, Gefühle und Erfahrungen war so lebendig, dass ich mir alles deutlich vorstellen konnte. Ich werde mit den nächsten Beiträgen fortfahren und weiterlesen.

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